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Gentechnik-Deregulierung auf der Überholspur - Wie die EU ökologische Erkenntnisse ignoriert

Prof. Dr. Katja Tielbörger, Institut für Evolution und Ökologie, Universität Tübingen

BUND BW: Dominic Hahn

Im Juni 2026 hat die EU eine neue Verordnung verabschiedet, welche die Anwendung von Neuer Gentechnik (NGT, z.B. die Genschere CRISPR-CAS) bei Pflanzen weitgehend ohne Risikoprüfung erlaubt. Nun darf jede beliebige Pflanzenart mit NGT verändert und ins Freiland ausgebracht werden, wenn sie eine bestimmte Zahl von genetischen Veränderungen nicht überschreitet (sogenannte NGT1-Pflanzen). 

Die Eigenschaften der Pflanze und ihr Verhalten in der Umwelt sind dabei völlig unwichtig. In der Verordnung wurde festgehalten, dass eine ähnliche Deregulierung bei Mikroorganismen und Tieren nicht gelten darf, weil wir zuwenig über diese Organismen wissen. Dennoch hat, völlig unbeachtet von der Öffentlichkeit und ohne breite wissenschaftliche Konsultation, eine Vorlage zur Deregulierung von genetisch modifizierten Mikroorganismen bereits im Juni den EU-Rat passiert. Im November - vor der Erstellung dieses Textes - war die Abstimmung im Parlament. 

Dieser Vortrag beleuchtet die Inhalte der geplanten und verabschiedeten Regularien aus wissenschaftlich-ökologischer Sicht, sowie aus der Sicht des Natur- und Artenschutzes, und gibt einen kritischen Einblick in die politischen Prozesse, welche solchen schwerwiegenden Entscheidungen zugrunde liegen.