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Aktuelle Trends der Verkehrsentwicklung und Perspektiven für Baden-Württemberg

Prof. Dr. Heiner Monheim, Gesellschafter

Raumkom - Institut für Raumentwicklung und Kommunikation

Die Rolle der Politik hinterfragen Ich halte die Programmatik der großen Parteien zu Verkehr und Städtebau für antiquiert und kontraproduktiv. Autos und Straßen sind für die Politik noch immer das Maß aller Dinge und zwar nicht nur in der Verkehrs- sondern auch in der Wirtschafts- und Forschungspolitik. Zwar entwickeln die Parteien vor Ort häufig innovativere und differenziertere Ansätze und auch die politischen Stiftungen und Akademien der Parteien sind offen für Diskussionen und alternative Konzepte. Trotzdem steht am Ende politischer Entscheidungsprozesse fast immer der Ruf nach mehr Straßen, mehr Fahrspuren, mehr Tunnels, mehr Parkplätzen. Leider war die Rolle der Politik im Planungssystem bislang selten Gegenstand kritischer Forschung, daher habe ich die Akzeptanz innovativer ÖPNV-Konzepte bei professionellen Akteuren intensiv untersucht. Herausgekommen ist ein verheerendes Stimmungsbild: Politisch Verantwortliche neigen zu einer dominanten Auto- und Straßenfixierung und begegnen dem öffentlichen Verkehr mit Skepsis, manchmal geradezu mit Verachtung und Hass, was sich in den horrenden Ausgaben für den Straßenverkehr und dem geringen fiskalischen Engagement für den Umweltverbund widerspiegelt. Aufbruch in ein neues Zeitalter Natürlich hätte ich gerne noch mehr bewegt und verändert in den vergangenen vierzig Jahren, in denen ich aktiv in der Verkehrspolitik mitgemischt habe. Als inzwischen emeritierter Professor ziehe ich mich aber keineswegs erschöpft oder frustriert zurück, sondern engagiere mich weiter als Impulsgeber und Konzeptentwickler, manchmal auch als Mahner, Provokateur oder scharfer Kritiker. Der Aufbruch ins postfossile Zeitalter hat begonnen, aber es geht dabei um weit mehr als nur die Antriebsfrage. Es geht um die Frage, wie wir leben wollen, wie wir uns bewegen wollen. Die zentrale Frage ist die Systemfrage. Wir müssen weg von der Autofixierung. Wir brauchen ein vernetztes, barrierefreies System, dass Verkehrsarten intelligent verknüpft, motorisierte Mobilität reduziert, Distanzen minimiert und den Mensch und seinen Lebensraum endlich wieder in den Mittelpunkt stellt. Wir brauchen endlich wahre Preise, die Wirtschaftszusammenhänge und Folgekosten für die Gesellschaft widerspiegeln. Wir brauchen politischen Mut und einen kritischen Dialog mit der Wirtschaft, damit die Chancen des Wandels endlich genutzt werden. Ich bin und bleibe Optimist und glaube an die Veränderbarkeit überkommener Strukturen durch das beharrliche Bohren dicker Bretter.


Prof. Dr. Heiner Monheim

Studium Stadt- und Verkehrsplanung, Geographie und Soziologie in Bonn und München, 1968-1971 freiberufliche Arbeit für die Stadt München, 1971-1985 Referatsleiter Infrastruktur der Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung, Bonn des Bundesministeriums für Raumordnung und Bauwesen, 1985 – 1995 Referatsleiter Verkehrsberuhigung und Stadtverkehr im Landesministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, NRW, 1995-2011 Professor für Raumentwicklung und Landesplanung an der Universität Trier, Mitinhaber des raumkom Instituts für Raumentwicklung und Kommunikation Trier. Mitbegründer von VCD, ADFC, Bürgerbahn statt Börsenbahn und Forum Mensch und Verkehr.

Themenschwerpunkte: Demographischer Wandel, Mobilität und Verkehr, innovative, klimafreundlicher Verkehrskonzepte, Umweltverbund, ÖPNV in der Fläche, Fahrradverkehr, Verkehrsberuhigung

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