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Neue Kraft für die Energiewende – Biotopverbund muss umgesetzt werden

Rund 600 Besucher bei den 38. Naturschutztagen in Radolfzell.

Radolfzell. „Die Energiewende muss 2014 wieder beschleunigt werden“, forderten die baden-württembergischen Landesvorsitzenden der Umweltverbände BUND und NABU, Dr. Brigitte Dahlbender und Dr. Andre Baumann am 4. Januar bei den Naturschutztagen in Radolfzell, „Bundeskanzlerin Merkel hat Recht, wenn sie die Energiewende als größtes und wichtigstes Projekt der Legislaturperiode bezeichnet. Dann muss sie aber auch eine deutliche Kurskorrektur vornehmen, damit der Ausbau der Erneuerbaren Energien voranschreiten kann und nicht weiter ausgebremst wird.“

Die angekündigte Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird hierbei nach Einschätzung von BUND und NABU eine entscheidende Rolle spielen. „Die Förderung der Erneuerbaren Energien kann und muss zwar angepasst, darf aber nicht grundsätzlich zurückgefahren werden. Insbesondere muss sich die Nutzung der Windenergie auch in Baden-Württemberg lohnen, damit die dezentrale Energiewende in Bürgerhand gelingen kann“, so Dahlbender und Baumann. Was jetzt an Anschubförderung für die Erneuerbaren geleistet wird, werde sich langfristig durch die umweltfreundliche und kostengünstige Energiegewinnung bezahlt machen.

Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen die Themen Energieeinsparung und Energieeffizienz stärker beachtet werden. „Die Energiewende kann nur erfolgreich sein, wenn der Energieverbrauch insgesamt deutlich sinkt“, betonen Baumann und Dahlbender. Die bisherigen Bemühungen reichen nicht aus: Nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen lag der Energieverbrauch in Deutschland 2013 voraussichtlich um etwa 2,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, vor allem verursacht durch eine sehr lange Heizperiode.

Rund 70 Prozent der Energiekosten eines Privathaushalts entfallen auf Heizung und Warmwasserbereitung – folglich liegt hier ein großes Einsparpotenzial. „Angesichts der stark gestiegenen Kosten für Heizöl und Erdgas zeigt sich auch, dass die Debatte um angeblich unbezahlbare Strompreise eine Scheindebatte ist“, unterstreichen Dahlbender und Baumann, „der beste Schutz vor explodierenden Kosten sind Einsparung und Effizienz. Dies kann durch eine kluge und vorausschauende Politik von staatlicher Seite befördert werden. Sowohl die Bundesregierung als auch die Landesregierungen sind hier gefordert. Wir erwarten von der Umweltministerkonferenz, die im Mai am Bodensee tagt, ein deutliches Signal für vermehrte Anstrengungen zur Energieeinsparung.“

Ein besonderes Augenmerk werden die beiden großen Umweltverbände im neuen Jahr auf die Vereinbarkeit von Windenergie und Naturschutz legen. „Wir wissen, dass Konflikte zwischen Windenergie und Naturschutz mit einer sorgfältigen Planung minimiert werden können und ein ,Sowohl-als-auch‘ möglich ist“, so Dahlbender und Baumann. Entscheidend sei neben fachlich präziser Planungsarbeit die frühzeitige Einbeziehung aller Beteiligten.

Von viel größerer Bedeutung für den Erhalt der Natur in Baden-Württemberg sei ohnehin die Umsetzung des Biotopverbundes. „Wir werden das Artensterben nur verlangsamen können, , wenn wir die Lebensräume von Tieren und Pflanzen miteinander vernetzen“, erläutern Baumann und Dahlbender, „Mobilität ist der Motor der Artenvielfalt. Wenn Tiere und Pflanzen sich nicht ausbreiten und nur auf einzelnen Natur-Inseln leben können, sterben sie über kurz oder lang aus.“ Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels sei eine Vernetzung der Lebensräume wichtig, da viele Arten ihre Verbreitungsgebiete mit dem Ansteigen der Temperaturen verändern: Die Areale verschieben sich tendenziell nach Norden oder in die Höhenlagen. Neue, wärmeliebende Arten rücken aus Süden zu uns nach.

Bund und Land müssen ausreichende Finanzmittel für die Anlage von Grünbrücken und anderen Wiedervernetzungsmaßnahmen an Straßen zur Verfügung stellen. „Wir fordern die Landesregierung auf, dafür zu sorgen, dass pro Jahr und Regierungsbezirk mindestens eine neue Grünbrücke gebaut wird“, so Baumann und Dahlbender.

Das Land müsse außerdem das Konzept des landesweiten Biotopverbunds und den Generalwildwegeplan zusammenführen und konzertiert umsetzen. „Es macht wenig Sinn, dass der Generalwildwegeplan im Jagdgesetz in der Forstverwaltung angedockt wird, das Konzept für den landesweiten Biotopverbund jedoch in der Naturschutzverwaltung. Die Verwaltungen dürfen nicht neben- oder gegeneinander arbeiten, sondern Hand in Hand.“ Deshalb fordern NABU und BUND, dass eine einzige Verwaltung federführend für die Grüne Infrastruktur zuständig ist: die Naturschutzverwaltung.

Die angehängten Bilder sind frei verwendbar. Urheber: Claus Puhlmann.

Für Rückfragen:

- Gergely Kispál, Presse, Tel. 0176-99575456, gergely.kispal@bund.net
- Dr. Brigitte Dahlbender, BUND-Landesvorsitzende, Tel. 0171-9341336
- Dr. Andre Baumann, NABU-Landesvorsitzender, Tel. 0162-9386785

 

Gerhard Röhner erhält Gerhard-Thielcke-Naturschutzpreis

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg hat am heutigen Freitag den Gerhard-Thielcke-Naturschutzpreis verliehen. Preisträger ist Gerhard Röhner, Naturschutzbeauftragter des BUND-Regionalverbandes Rhein-Neckar-Odenwald. Mit dem Preis wird ihm für sein Engagement für den Naturschutz in der Region Rhein-Neckar-Odenwald gedankt.

Radolfzell. „Gerhard Röhners Stärke ist seine Fähigkeit der Vermittlung des Naturschutzgedankens an die breite Bevölkerung“, sagte BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender in ihrer Laudatio, „er ist einerseits unerbittlich, wenn es um die Bewahrung der Natur geht, andererseits ist er stets um einen Diskurs bemüht.“

Gerhard Röhner ist ein Naturschutz-Allrounder, der sich sowohl bei der Landschaftspflege und beim praktischen Artenschutz zu Hause fühlt als auch bei der politischen Arbeit. Die Naturpädagogik gehört genauso zu seinen Tätigkeitsfeldern wie fundierte Stellungnahmen, aber auch präzise Kartierungen und die daraus folgenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Er hat es geschafft, dass seine Stellungnahmen zu Planungsverfahren von den Behörden als wertvolle Beratung – und nicht als bloße Kritik – betrachtet werden.

Als Naturschutzbeauftragter des BUND-Regionalverbandes Rhein-Neckar-Odenwald baut Gerhard Röhner derzeit ein nach Naturräumen gegliedertes Netzwerk auf. Er berät Ortsgruppen zum Thema Naturschutz und hat so zur Stabilisierung dieser Gruppen beigetragen und das fachliche Niveau erhöht. 2012 erstellte der BUND-Regionalverband unter seiner Federführung ein Windenergiepapier.

Ein großes Projekt, das Gerhard Röhner auf den Weg gebracht hat, ist das Integrierte Ländliche Entwicklungs-Konzept Blühende Badische Bergstraße (ILEK). Hierbei geht es darum, die Biotopvernetzung entlang der badischen Bergstraße zu erhalten und auszubauen sowie den Menschen die Besonderheiten dieses Naturraums näher zu bringen.

„Aber die fachlichen Fähigkeiten sind nicht alles, was Gerhard Röhners Arbeit ausmacht“, betont Brigitte Dahlbender, „er ist ein Netzwerker, eine Integrationsfigur für den Naturschutz in seiner Region.“ Er schaffe es immer wieder aufs Neue, Menschen an einen Tisch zu bringen und in einem vertrauensvollen Arbeitsklima herausragende Ergebnisse für den Naturschutz zu erzielen.

An der Dossenheimer Bergstraße fanden 2012 Biotopzerstörungen in einem Vogelschutzgebiet statt. Die Umnutzung des Gebiets für Rebmonokulturen war die Absicht. Gerhard Röhner trug entscheidend dazu bei, dass die Auseinandersetzung mittlerweile die verdiente Aufmerksamkeit erfährt.

Besonders wichtig ist Gerhard Röhner die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – von der Wildfrüchtewanderung über den Kinderkochkurs bis zum Streuobst-Tag bietet die BUND-Ortsgruppe Hemsbach-Laudenbach, deren Vorsitzender Röhner ist, ein breites Spektrum an Veranstaltungen für Jung und Alt.

Die Pressemitteilung umfasst 2895 Zeichen (mit Leerzeichen).

Das Bild zeigt BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender und Thielcke-Preisträger Gerhard Röhner (v.l.). Das Bild kann frei verwendet werden. Urheberin: Christina Kordt.


Hintergrund zum Gerhard-Thielcke-Naturschutzpreis
Zum 75. Geburtstag des BUND-Mitbegründers und langjährigen BUND-Landesvorsitzenden Gerhard Thielcke aus Radolfzell am Bodensee schuf der BUND 2006 einen Naturschutzpreis, der nach ihm benannt ist und für den Gerhard Thielcke die Vergabekriterien formuliert hat. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Der BUND-Landesvorstand entscheidet über die Vergabe. Der Preis wird jedes Jahr bei den Naturschutztagen in Radolfzell verliehen. Thielcke hatte diese größte Fortbildungsveranstaltung des Naturschutzes im deutschen Sprachraum vor über 35 Jahren begründet und fühlte sich bis zum seinem Tod im Jahr 2007 in besonderer Weise mit diesem Kongress verbunden. Die bisherigen Preisträger sind: Eberhard Koch vom BUND Westlicher Hegau, Kreis Konstanz; Günter Künkele, Naturschützer, Naturfotograf und Buchautor aus Bad Urach; Reinhard Wolf aus Marbach am Neckar, der beim Regierungspräsidium Stuttgart die Naturschutzabteilung leitet; die Landwirtschaftsmeisterin und Biobäuerin Anneliese Schmeh aus Überlingen; Kai Frobel, der Initiator des Grünen Bandes auf dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen; Dr. Hans-Helmut Klepser vom RP Tübingen und im vorigen Jahr der LNV-Vorsitzende Reiner Ehret.

Für Rückfragen:
Gergely Kispál, Presse, Tel. 0176-99575456, gergely.kispal@bund.net
Dr. Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende, Tel. 0711-6203060, brigitte.dahlbender@bund.net

Hochkarätiges Programm am Bodensee

Vom 3. bis 6. Januar 2014 finden in Radolfzell die alljährlichen Naturschutztage am Bodensee statt. Für viele Aktive von BUND, Naturschutzbund (NABU) und anderen Verbänden haben sie sich zu einer festen Größe im Terminka-lender entwickelt. Zunehmend zieht die Veranstaltung auch ein junges Publikum an. Neue Besucher werden es schnell feststellen: Die Naturschutztage sind immer ein motivierender Auftakt zu einem neuen Jahr im Na-tur- und Umweltschutz. Dafür sorgt neben fachlichen Vorträgen, Workshops und Exkursionen ein buntes Rahmenprogramm mit Film, Kabarett und Weinprobe. 2014 ist der BUND Baden-Würt-temberg federführender Veranstalter. Gleich am ersten Tag wartet das Programm mit drei kompetenten Mitstreitern des bundesdeutschen Naturschutzes auf. Hubert Weiger, BUND-Bundesvorsitzender, Professor Joachim Radkau, Uni Bielefeld, und Martin Flade, Leiter Biosphärenreser-vat Schorfheide-Chorin, stehen auf der Rednerliste. Der folgende Tag rückt das Thema Energiewende in den Mittelpunkt. Dazu gibt es unter anderem eine Diskussion mit Rainer Baake, Direktor Agora Energiewende, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und Carla Vollmer, Fachgebietsleiterin beim Umweltbundesamt. Der dritte Tag widmet sich ganz der Nachhaltigkeit. Spannend verspricht eine Podiumsdiskussion zum Thema "Grüner Wohlstand" zu werden. Zu den Diskutanten gehören Brigitte Dahlbender, BUND-Landesvorsitzende, Ralf Fücks, Vorstand der Böll-Stiftung, und Peter Unfried, Chefre-porter der taz. Der letzte Tag bietet Einblicke in die Insektenwelt unserer Hausgärten und stellt interessante Projekte des internationalen Naturschutzes vor.

Das Programm erhalten Sie bei der
BUND-Hauptgeschäftsstelle, Tel. (077 32) 1507-0
naturschutztage@bund.net.

Sie können sich auch über die neu gestaltete Internetseite www.naturschutztage.de informieren und anmelden.